Lipödem erkennen – Erfolgreiche Diagnose der Fettverteilungsstörung

Im letzten Blogbeitrag habe ich mich grundsätzlich der Frage gewidmet, was ein Lipödem eigentlich ist. Darin habe ich auch darauf hingewiesen, wie wichtig es für eine effektive Behandlung ist, ein Lipödem früh erkennen zu können. Häufig wird die Diagnose Lipödem jedoch gar nicht oder erst sehr spät gestellt, da dieses Krankheitsbild nicht korrekt von ähnlichen Krankheiten abgegrenzt wird. Daher möchte ich mich heute explizit der Frage widmen, wie du ein Lipödem erkennen kannst.

Lipödem – wie erkenne ich die Krankheit?

Zur Erinnerung: Bei einem Lipödem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung, die praktisch ausschließlich bei Frauen auftritt. Die ersten Anzeichen der Erkrankung zeigen sich meist bei Schwankungen im Hormonhaushalt, beispielsweise während der Pubertät oder in der Schwangerschaft.

Wichtig ist außerdem, dass die Krankheit immer symmetrisch an den Beinen (gegebenenfalls auch an den Armen) auftritt und der Oberkörper im Vergleich deutlich disproportioniert ist – das bedeutet, dass er im Gegensatz zu den Beinen nicht von der Fettvermehrung betroffen ist. Sie schreitet außerdem stetig weiter fort.

Schnelldiagnose: Der Lipödem Selbsttest

Um festzustellen, welche Krankheit deinem Körper zu schaffen macht, gehen Mediziner in der Regel schrittweise die nachfolgenden Punkte durch. Diesen kleinen Lipödem Selbsttest kannst du auch nutzen, um bei dir selbst eventuelle Anzeichen für ein bestehendes Lipödem zu erkennen:

  • Krankheitsgeschichte (Anamnese)
    Wie machen sich die Beschwerden im Alltag bemerkbar? Hast du häufig ohne ersichtlichen Grund blaue Flecken an den Beinen? Spürst du nach langem Stehen Schmerzen in den Beinen? Diese und weitere Symptome, zum Beispiel eine Verdickung der Beine über den Tag hinweg, können auf ein Lipödem hindeuten.
  • Sichtprüfung (Inspektion)
    Hierfür ist es wichtig, den eigenen Körper einmal mit etwas Abstand zu betrachten, z.B. in einem großen Spiegel. Fallen die Oberschenkel bzw. die Beine deutlich dicker aus als der Rest des Körpers, die Fußgelenke sehen aber ganz normal aus? Gerade dieses Erscheinungsbild ist charakteristisch für ein Lipödem.
  • Tastprüfung (Palpation)
    Übe leichten Druck auf deine Haut aus und sei ehrlich zu dir selbst: Ist die Berührung unangenehm oder sogar schmerzhaft? Dies ist ein weiteres typisches Symptom der Krankheit. Darüber hinaus lässt sich ein Lipödem daran erkennen, dass die Hautstruktur beim Kontakt der von kleinen „Kugeln“ ähnelt und leicht knotig wirkt.

Bitte beachte, dass dieser Lipödem Selbsttest keine Diagnose durch eine ausgebildete Medizinerin ersetzen kann. Wenn du jedoch feststellst, dass einzelne Punkte dieses Tests auch auf dich zutreffen, dann kann eine professionelle Untersuchung durch eine Fachärztin sinnvoll sein.

Übrigens: Die medizinischen Hintergründe dieser „Schnelldiagnose“ greife ich in meinem E-Book „Lipödem-Formel“ nochmal im Detail auf. So kannst du dich bei Interesse genauer mit der Materie auseinandersetzen.

Lipödem erkennen: Unterschiede zu ähnlichen Krankheitsbildern

Ein Lipödem früh zu erkennen ist wichtig, aber nicht unbedingt einfach. Fehldiagnosen und Mischformen sind nach wie vor verbreitet. Hier in dieser Liste im Stil einer Differenzialdiagnose habe ich für dich zusammengefasst, welche Merkmale typischerweise bei welchem Krankheitsbild zu finden sind:

Lipödem

  • +++ Fettvermehrung
  • +++ Disproportion
  • +++ Ödeme
  • +++ Druckschmerzen
  • +++ Hämatome

Lipohypertrophie

  • +++ Fettvermehrung
  • +++ Disproportion
  • Ø Ödeme
  • Ø Druckschmerzen
  • (+) Hämatome

Adipositas

  • +++ Fettvermehrung
  • (+) Disproportion
  • (+) Ödeme
  • Ø Druckschmerzen
  • Ø Hämatome

Lymphödem

  • (Fettvermehrung)
  • Disproportion
  • Ödeme
  • Ø Druckschmerzen
  • Ø Hämatome

(Legende: + = vorhanden / (+) = möglich / Ø = nicht vorhanden)

Bei einem Blick auf die Liste kann man erkennen, dass viele Krankheitsbilder klare Schnittmengen mit einem Lipödem haben, aber doch einige wichtige Unterschiede bestehen, die die Diagnostik erleichtern. Gerade die Druck- und Schmerzempfindlichkeit des Gewebes bei einer Lipödem-Erkrankung ist charakteristisches Merkmal der Krankheit und bei der Unterscheidung sehr wichtig. 

Das Lipödem erkennen – Die Risiken einer Fehldiagnose

Ein Lipödem in Stadium 1 zu erkennen kann bei der Behandlung einen großen Unterschied machen. Da die Erkrankung progredient, also stetig fortschreitend ist, kann mit einer frühen, gesicherten Diagnose der beste Behandlungserfolg erzielt werden. Je später das Lipödem festgestellt wird, desto größer die Belastung für die Patienten und desto drastischer die erforderlichen Eingriffe.

Kann die Ärztin kein bestehendes Lipödem erkennen, besteht außerdem das Risiko, dass Patienten eine gänzlich ungeeignete Behandlung erhalten. Im schlimmsten Fall ist diese nicht nur wirkungslos, sondern belastet den Patienten zusätzlich – etwa dann, wenn trotz strenger Diät und viel Bewegung die Beine immer dicker werden.

Fazit: Ein Lipödem zu erkennen und sicher zu diagnostizieren erfordert immer die Expertise einer Ärztin. Mit dem oben beschriebenen kleinen Lipödem Selbsttest kannst du außerdem prüfen, ob du selbst Anzeichen der Krankheit bei dir erkennen kannst. Je früher das Stadium, desto wichtiger und gleichzeitig schwieriger ist jedoch die Diagnose, da die Symptome weniger stark ausgeprägt sind.

Um ein Lipödem erkennen und anschließend auch richtig behandeln zu können, gibt es verschiedene Methoden, die zum Teil aufeinander aufbauen und sich für unterschiedliche Stadien der Krankheit eignen. Welche das sind, erfährst du in kommenden Beiträgen in meinem Blog!