Lipödem: Die Herausforderung Fettverteilungsstörung

In diesem Blogbeitrag beschäftigen wir uns damit, was es mit dem Krankheitsbild des „Lipödems“ genau auf sich hat. Ich möchte dir hier einen Überblick darüber bieten, was der Begriff eigentlich bedeutet, wer von der Krankheit am häufigsten betroffen ist und welche Stadien eine solche Fettverteilungsstörung durchlaufen kann.

Was ist ein Lipödem?

Bei einem Lipödem handelt es sich um eine sogenannte „Fettverteilungsstörung“. Das geht auch aus der Bezeichnung der Krankheit hervor, die sich aus dem griechischen Begriff „lipos“ (Fett) und dem altgriechischen Wort „oídēma“ (Schwellung) zusammensetzt. Es handelt sich um eine chronische Krankheit, die typischerweise mit der Zeit immer stärkere Symptome zeigt (progredienter Verlauf). Erstmalig diagnostiziert wurde das Krankheitsbild bereits im Jahr 1940.

Charakteristisch für ein Lipödem ist, dass sich bei den Betroffenen zuerst kleine, dann später immer ausgeprägtere Einlagerungen von Fettgewebe unter der Haut bilden. Die Einlagerungen sind in hohem Maße disproportional, treten also in bestimmten Regionen deutlich ausgeprägter auf als in anderen, und sind im weiteren Verlauf auch häufig mit starken (Druck-)Schmerzen, Erschöpfungsgefühlen und weiteren Begleiterscheinungen verbunden.

Lipödem: Wer ist betroffen?

Von einem Lipödem sind so gut wie ausschließlich Frauen betroffen. Ein Lipödem tritt bei Männern nur in seltenen Fällen und unter besonderen Voraussetzungen auf. Meist zeigen sich erste Anzeichen der Krankheit bei Schwankungen im Hormonhaushalt der Frauen, etwa beim Eintritt in die Pubertät oder auch im Zuge einer Schwangerschaft. Eine genetische Veranlagung zum Lipödem ist nach jetzigem Kenntnisstand nicht auszuschließen.

Lipödem Diagnose und wichtige Unterscheidungen

Viele Menschen mit einem Lipödem wissen gar nicht, dass sie betroffen sind. Gleichzeitig wird die Krankheit auch immer noch vereinzelt fehlerhaft diagnostiziert. Hier werden häufig folgende Krankheitsbilder miteinander vermengt:

  • Lipödem (Fettverteilungsstörung)
  • Lipohypertrophie (Vermehrung des Unterhautfettgewebes)
  • Lymphödem (Ansammlung von Flüssigkeit im Zwischenzellraum)
  • Adipositas (Vermehrung des Fettgewebes in verschiedenen Körperregionen)

Tatsächlich ist es schwierig, etwa Lipödem und Adipositas diagnostisch klar zu unterscheiden. Das liegt auch daran, dass zum Beispiel Adipositas durchaus begleitend zu einem Lipödem auftreten kann. Die sogenannte Differenzialdiagnostik und die typischen Merkmale der Krankheitsbilder werde ich in einem eigenen Beitrag im Detail behandeln.

Verlauf einer Lipödem-Erkrankung

Die Krankheit macht sich gerade am Anfang vor allem im Bereich der Ober- und Unterschenkel bemerkbar („Reiterhosen“). Später kann die Krankheit sich auch an den Armen ausbilden. Die Entwicklung ist dabei immer symmetrisch, umfasst also niemals nur ein einzelnes Bein.

Um die Entwicklung der Erkrankung heute medizinisch zu erfassen, wird (im deutschen Raum) zwischen 3 Stadien eines Lipödems unterschieden. Diese sind wie folgt unterteilt:

  • Stadium 1: Bildung von Orangenhaut mit feinen Dellen unter der Haut, die Haut ist dabei insgesamt glatt
  • Stadium 2: Die Haut ist zunehmend uneben und wirkt wellenartig, das Fettgewebe ist fühlbar grobknotig
  • Stadium 3: Die Haut bildet verschieden große, unförmige Hautlappen aus, der Umfang des Gewebes hat sich deutlich vergrößert

Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Hinweis, dass es sich hier lediglich um die Veränderung der Haut, die sogenannte Morphologie handelt. Die Beschwerden des Patienten können sich völlig unabhängig von diesen Stadien entwickeln, auch in Wechselwirkung mit anderen Krankheiten (z.B. Adipositas).

Lipödem behandeln: Mögliche Therapieformen

Je eher man aktiv wird, desto besser kann ein Lipödem auch angemessen behandelt werden. Dafür braucht es sowohl die frühzeitige Diagnose als auch die richtige Herangehensweise. Medizinischer Konsens ist heute, dass es für die erfolgreiche Therapie eines Lipödems eine Mischform aus mehreren Ansätzen benötigt:

  • Aktiver Lebensstil (Sport / Ernährung)
  • Konservative Therapie (Kompressionsbestrumpfung / Lymphdrainagen)
  • Operative Therapie (Liposuktion)
  • Psychische Therapie (Zur Bewältigung der Krankheit)

Sowohl in den frühen Stadien als auch in der langfristigen Behandlung eines Lipödems kommt all diesen Ansätzen eine wichtige Rolle zu. Dabei muss natürlich immer die entsprechende Indikation berücksichtigt werden – manche Therapien sind beispielsweise erst im späteren Verlauf der Krankheit notwendig, andere wiederum eignen sich für bestimmte Patienten gar nicht.

Mit Lipödem den Alltag bewältigen – Eine Herausforderung für den ganzen Körper

Bei dem Lipödem handelt es sich um eine Krankheit wie jede andere. Wichtig ist vor allem, dass sie frühzeitig erkannt, richtig diagnostiziert und anschließend entsprechend behandelt wird, denn die Belastung für die Betroffenen ist in jedem Stadium der Krankheit groß und kann mit Fortschreiten der Krankheit noch weitere Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Darum muss hier so früh wie möglich mit den richtigen Maßnahmen gegengesteuert werden – sowohl medizinisch als auch im Alltag.

Konkrete Ursachen, Symptome der Krankheit und Therapieformen – all diese Punkte werde ich in folgenden Blogbeiträgen zum Thema Lipödem wieder aufgreifen und an vielen Stellen auch ausführlicher behandeln. Einen detaillierten Einblick in die Diagnostik und Behandlung des Lipödems sowie zahlreiche Tipps und Ratschläge findest du außerdem kompakt in meinem E-Book „Lipödem Formel“.